Der römische Dichter Ovid nannte ihn „die Tränen der Götter“. Heute ist er auch unter dem Namen „das Gold der Ostsee“ bekannt. Beide Bezeichnungen deuten auf die Bedeutung und den Prunk hin, der von Bernstein ausgeht. Dieser ist ein wahres Multitalent. Neben der Verwendung als schönem Schmuckstein, sagt man ihm auch eine heilende, und schmerzlindernde Wirkung nach. Doch auch als wertvolle Anlagemöglichkeit hat er sich etabliert.

Ein Stein wie kein anderer

Bei Bernstein handelt es sich um einen honigfarbenen Schmuckstein. Bei seinem Anblick fühlt man sich in frühere Zeiten zurückversetzt. Er erzeugt ein Gefühl der Wärme und Einzigartigkeit. 
So glänzt er nicht nur in Gelb- bis Brauntönen, es existieren auch weitaus seltener Farbgebungen in Hellgelb, kräftigen Rottönen bis hin zu schwarzen und grauen Bernsteinen. Das lässt sich auf die Luftbläschen im Innern des Bernsteins zurückführen. 
Die wunderschönen Steine können zwischen klar bis undurchsichtig variieren. Im verarbeiteten Zustand glänzen sie, während sie unverarbeitet eher grob wirken. In manchen Exemplaren kann man eingeschlossene Insekten oder Pflanzenteile erkennen. 
Der Begriff leitet sich von dem mittelniederdeutschen Wort „bernen“ ab, das soviel wie brennen bedeutet. Das lässt sich darauf zurückführen, dass Bernsteine brennbar sind und es sich bei Bernstein nicht um ein Mineral, sondern um fossile Harze handelt.

Entstehung, Verbreitung und Formen des Bernsteins

Bernsteine bilden sich, indem Harze von Nadelbäumen unter Luftabschluss geraten und aushärten. Heute wird vermutet, dass es sich beim baltischen Bernsteinwald um einen Kiefernwald handelte. Die genaue Lage lässt sich durch die Gletscher der Eiszeit nicht mehr rekonstruieren. 
Wie alle Nadelbäume wurden von den Kiefern im Bernsteinwald Harze produziert. Diese fielen entweder in Flüsse und wurden ins Meer gespült oder der Wald wurde vom Meer geflutet. Harztropfen gelangten so in die Sedimentschicht „Blaue Erde“ und waren auf diese Weise vor der Kompostierung geschützt. Nach Überlagerung mit zahlreichen Sedimentschichten wurde das Harz vor Luft konserviert und das Gewicht erzeugt großen Druck. So konnten sich die Harze verfestigen, sodass sie nun eine steinartige Substanz bilden. 
Die meisten in Deutschland zu findenden Bernsteine sind auf diese Weise vor 40 bis 50 Millionen Jahren entstanden. Die Entstehung mancher Vertreter der Bernsteine liegt jedoch bereits über 200 Millionen Jahre zurück. Das genaue Alter der Bernsteine lässt sich anhand des Sediments, in dem sie gefunden wurden, bestimmen. Durch die lange Geschichte der Steine sind viele der eingeschlossenen Tiere und Pflanzen in unserer Zeit bereits ausgestorben. 
Heute werden die Bernsteine am Strand angespült. So kann man zum Beispiel an den Stränden der Ostsee Bernsteine finden. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass man an der Ostsee bei der Bernstein-Suche auf gefährlichen weißen Phosphor stößt. Dieser stammt aus den zahlreichen Brandbomben, die von der britischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg abgeworfen wurde. 
Bernsteine kommen hauptsächlich in baltischen Regionen wie der Ostsee vor. Es gab jedoch auch zahlreiche Bernsteinfunde an der Nordsee, in Rumänien, der Ukraine, Ungarn sowie bis hin zum gesamten Mittelmeerraum. Die Bernsteinvorkommen sind jedoch nicht nur auf Europa beschränkt, sondern man findet sie auch im asiatischen Raum, wie auf den Philippinen oder Indonesien, und in Nord- und Südamerika. Häufig werden die Bernsteine nach den Regionen, in denen sie gefunden wurden, bezeichnet.

Roher, unverarbeiteter Bernstein

Die häufigste Form der über 80 Bernsteinarten ist der Succinit. Da in den baltischen Regionen fast ausschließlich Succinite vorkommen, werden diese auch als „Baltische Bernsteine“ bezeichnet. Diese Art besitzt eine große kommerzielle Bedeutung, da sie sich sehr gut zu Schmuck und Kunstgegenständen verarbeiten lässt, und konnte durch ihr häufiges Vorkommen im baltischen Raum am besten erforscht werden. 
Man unterscheidet bei Bernstein jedoch nicht nur nach der Region, sondern auch nach der Verarbeitung. So gibt es Naturbernsteine, wo vom Rohbernstein lediglich die Verwitterungskruste abgeschliffen wurde, und in Öl klargekochten Bernstein. Dieses Verfahren wird genutzt, um Luftbläschen, die einen Stein trüb und unattraktiv gemacht haben, auszufüllen

Verwendung

Schmuck aus Bernstein

Bernstein stellt nicht nur einen wunderschönen Schmuckstein dar, denn neben der Verwendung als Anhänger, geschmackvolle Dekorationen oder für andere Kunstgegenstände, existieren noch viele weitere. Diesen Zweck erfüllt Bernstein bereits seit den frühen Stunden der Menschheitsgeschichte. Er stand schon immer für Luxus und Prunk. 
Auch esoterische Heilkräfte werden dem Bernstein nachgesagt. So sollen Bernsteine beruhigend, schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Aus diesem Grund werden zahnenden Babys Halsketten aus Bernstein gegeben. Gegen Hautleiden soll eine Salbe mit Bernstein helfen und bei Nervenleiden können verarbeitete Bernsteinprodukte sogar oral konsumiert werden. 
Ebenfalls besitzt Bernstein eine technische Bedeutung. Er ist der Ausgangsstoff für die Produktion der Bernsteinsäue, die als Zusatzstoff und Geschmacksverstärker bei zahlreichen Lebensmitteln, Polyester- und Weichmacherherstellung Verwendung findet. 
Des Weiteren kann man Bernsteine als gute Anlagemöglichkeit verwenden

Marktwert des Bernsteins

Mittlerweile erreicht Bernstein einen Marktwert, der den des Goldes übersteigt. Für Bernstein liegt der Wert pro Gramm je nach Schliff und Qualität zwischen 40 und 60 €, während der Wert für Gold für ein Gramm unter 40€ liegt. 
Bei dem Wert eines Bernsteins ist auch seine Größe entscheidend. Ein einzelner großer Stein gilt als wertvoller als viele kleine Funde. 
Auch sind natürlich entstandene Bernsteine wertvoller als Pressbernstein. 
Besonders gefragt unter Sammlern in Europa sind Inklusen. Diese Einschlüsse können zum Teil ausgestorbene Insektenarten oder auch Blüten und Blätter sein. Für den Wert der Bernsteine mit Inklusen ist es sehr entscheidend, wie selten der Einschluss und wie gut dieser zu erkennen ist. 
In China und im Nahen Osten sind Schmuckstücke aus Bernstein, aber vor allem Rohbernsteine sehr beliebt. Dort dienen sie als Schmuck, Wertanlage und Prestigeobjekt. Jedoch besitzen Bernsteine auch in der chinesischen Medizin auf Grund ihrer bereits beschriebenen esoterischen Rolle eine große Bedeutung. 
Während in Europa die eingeschlossenen Insekten faszinieren und den Wert erhöhen, zählt in den asiatischen Ländern der reine Stein, die Farbgebung und die Transparenz der Unikate. 
Durch zahlreiche Käufer aus diesen Regionen wird der Markt belebt, sodass es für Bernsteine einen guten Umsatz gibt und der Preis in den letzten Jahren stetig angestiegen ist.

Wie erkenne ich echten Bernstein?

Ein paar einfache Tricks, um herauszufinden, ob gefundene Bernsteine tatsächlich echt sind, sind der Härtetest, der Dichtetest und der Test im UV-Licht. Da es sich bei Bernstein um einen sehr weichen Stein handelt, lässt er sich mit einem harten Gegenstand wie einem Messer leicht plastisch verformen. Bei diesem Test ist jedoch Vorsicht geboten, damit der schöne Stein nicht beschädigt wird. Des Weiteren zeichnet sich Bernstein durch eine sehr geringe Dichte aus, weshalb er im Salzwasser oben schwimmt. Wer eine UV-Lampe besitzt, kann sehen, dass Bernsteine in diesem Licht blaugrünlich schimmern. 
Beim Kauf muss ebenfalls darauf geachtet werden, welche Form des Bernsteins vorliegt. Das kann man sehr gut an der Bezeichnung erkennen. Bei Rohbernstein handelt es sich um die geschliffene Variante. Naturbernstein stellt die geschliffene, polierte Variante dar. Unter den Namen Echtbernstein, echter Bernstein und Ambroid werden häufig weniger wertvolle Pressbernsteine oder geklärte Bernsteine angeboten.

Das Bernsteinzimmer

Der erste preußische König Friedrich I ließ sich eine komplette Wandvertäfelung und Möbel aus Bernstein entwerfen. Diese wurden jedoch nach seinem Tod durch dessen Nachfolger gegen Soldaten eingetauscht und an Zar Peter den Großen übergeben sowie später im Katharinenpalast montiert. 
Im Zweiten Weltkrieg stahl die Deutsche Wehrmacht nach Besetzung des Katharinenpalastes die Wandvertäfelung und brachte diese ins Königsberger Schloss. 1945 wurde das durch die britischen Luftangriffe stark beschädigte Schloss von der sowjetischen Besatzungsmacht abgerissen und auf dem Grundstück das „Haus der Sowjets“ errichtet. 
Heute fehlt von der wertvollen Wandverkleidung jede Spur. Es existieren zahlreiche Theorien, wie dass die Tafeln noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs auf das Schloss Friedland transportiert worden wären oder dass sie sich noch immer in Königsberg in einem unterirdischen Gang befänden, der das Schloss mit dem Dom verband. 
Bis jetzt blieben alle Versuche, den Schatz des Bernsteinzimmers zu finden, erfolglos.

Nachbildung des Bernsteinzimmers

Bernsteinstraße

Die Bernsteinstraßen sind Handelswege der Antike zwischen der Nord- und Ostsee und dem Mittelmeerraum. Diese zogen sich durch germanisches Gebiet. Die berühmteste Bernsteinstraße verlief zur Hauptstadt des römischen Reiches, nach Rom. Auf den Bernsteinstraßen wurden, wie der Name bereits vermuten lässt, Bernsteine aus den nördlichen Gebieten in die Alpen und in den Mittelmeerraum transportiert. Bernsteine nutzte man als Tauschobjekt, auch verfolgte man das Ziel der Schmuckherstellung. Jedoch nutzten Händler des Altertums die Bernsteinstraßen auch für andere Güter. 
Die östlich europäische Route wird heutzutage touristisch genutzt.

Fazit

Bernstein ist nicht nur ein schöner Schmuckstein, sondern genießt schon seit Jahrhunderten ein großes Ansehen und zeichnet sich durch einen stabilen Marktwert aus. Somit lohnt es sich auch heute Bernstein als Anlagemöglichkeit zu erwerben oder seine Schmuckstücke und sonstigen Produkte aus Bernstein für gutes Geld zu verkaufen.

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