Mit Nürnberg bringen viele die alljährlich stattfindende Spielwarenmesse in Verbindung, bei der Neuheiten auf dem Spielwarenmarkt präsentiert werden und Interesse bei potentiellen Käufern wecken sollen. Im Spielzeugmuseum haben Besucher die Gelegenheit, die historische Entwicklung von Spielsachen wie auf einer Zeitreise kennenzulernen. Die Affinität der fränkischen Stadt zu Spielzeug endet aber nicht an diesem Punkt, sondern geht noch einen bedeutenden Schritt weiter: Vor mehr als hundert Jahren wurde in Nürnberg das Unternehmen ‘Schuco’ ins Leben gerufen. Hobbysammler denken meistens spontan an Modellautos, wenn von dieser Firma die Rede ist, obwohl der Betrieb ganz zu Beginn seiner Schaffensphase noch gar nicht für Automodelle renommiert war. Erst ab Mitte der 1930er-Jahre brachte Schuco die ersten Spielzeugautos aus Blech auf den Markt, die zum Wegbereiter für die Automodelle wurden, wie man sie noch heute kennt und sammeln kann. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse werden jedes Jahr die aktuellsten Modelle vorgestellt – ein Paradies für Autofreunde und alle, die es werden wollen.

Zwei Visionäre, ein Traum – Schucos Unternehmensgeschichte:

Das im Jahr 1912 gegründete Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf die Herstellung von Stoffpuppen. Gründer der Firma waren die Nürnberger Heinrich Schreyer und Heinrich Müller, die sich als Partner durch ihr Wissen miteinander ergänzen konnten. Heinrich Müller brachte als ehemaliger Mitarbeiter beim Nürnberger Spielwarenhersteller ‘Bing’ eigene Erfahrungen aus der Spielzeugproduktion in die geschäftliche Zusammenarbeit mit, Heinrich Schreyer verfügte über kaufmännische Expertise. Das Akronym ‘Schuco’ entstand aus den Anfangsbuchstaben der Worte ‘Schreyer & Co’. Bereits sechs Jahre später stieg Heinrich Schreyer aus, woraufhin sein Nachfolger Adolf Kahn die Teilhaberschaft übernahm und gemeinsam mit Heinrich Müller die Firma leitete.

Schuco Verkaufsstand

Schuco profitierte von Nürnbergs Bekanntheit für seine Zinnindustrie. Zunächst wurden in der Spielzeugfirma ‘Schreyer & Co.’ neben Stoffpuppen kleine Blechfiguren angefertigt, die sich fortbewegen konnten, was für die damalige Zeit als innovative Technik galt. An ihrem Vorbild orientierten sich die späteren Aufziehautos, seine Neuheiten ließ sich Schuco mehrfach patentieren, wie zum Beispiel das Modell ‘Mirako’, denn es war so konzipiert, dass es nicht von der Fahrfläche herunterfallen konnte. Ab 1936 kamen mit dem Wende-Auto und dem Mercedes ‘Silberpfeil’ (auch unter dem Namen ‘Schuco Studio’ geläufig) Schucos erste Automodelle in den Handel. Mit ihnen begann die Modellbaukarriere des Nürnberger Unternehmens. Die Modelle erwiesen sich bei den Kindern als primäre Zielgruppe als massenkompatibel, erwachsene Sammler kamen erst später als relevante zahlungsfähige Kaufkraft hinzu. Ständig optimierte Heinrich Müller die technische Ausstattung, die Modellautos wurden raffinierter, man konnte sie über ein Kabel lenken oder abbremsen. Durch einen integrierten Uhrwerkantrieb ließen sich Aufziehautos in Bewegung bringen. In den Fünfzigern orientierte sich die Gestaltung von Blechmodellen nicht streng an Originalfahrzeugen, das Spielerlebnis stand im Vordergrund. Müllers Mühen sollten sich auszahlen, weil Schuco sich zur größten Spielzeugmanufaktur Nürnbergs entwickelt hatte.

Schuco Wendeauto

Heinrich Müller verstarb im Jahr 1958, daraufhin übernahm sein Sohn Werner die Firma. Neben Autos stellte Schuco inzwischen auch Modelle von Eisenbahnen, Flugzeugen und Schiffen her. In den Sechzigerjahren vollzog sich ein Wandel im Unternehmen, während Zink als Material zunehmend von Plastik verdrängt wurde. Für die Beteiligten blieben diese Neuansätze nicht folgenlos und namhafte Nürnberger Produzenten für Blechspielzeug stiegen aus, gegen maschinell hergestelltes Plastik konnten sich ihre Fabriken nicht durchsetzen. Ab 1976 befand sich der Konzern auf dem Tiefpunkt bei dem die Inhaber Insolvenz anmelden mussten, das Unternehmen wechselte mehrfach den Eigentümer. Seit 1980 befindet sich der Firmensitz in der Stadt Fürth. Unter dem neuen Inhaber verbesserte sich die wirtschaftliche Lage für Schuco, trotzdem lag der Schwerpunkt noch auf Plastikmodellen. Blechautos wurden als eigene Sparte wieder aufgenommen, die sich vorwiegend an Interessenten von historischen Spielzeugautos richten sollte. In den frühen Neunzigerjahren fand eine umfassende Modernisierung statt. Schuco wurde der Zeit entsprechend angepasst und die Marke sollte für ihre Kunden wieder an Attraktivität gewinnen. Seit 1999 gehört Schuco zum US-amerikanischen Spielzeughersteller Simba. Nach der Übernahme lag das Augenmerk noch gezielter auf Hochwertigkeit, dementsprechend erhöhte sich das Preissegment. Neue Modellmaßstäbe kamen hinzu, neben 1:87 wurden seit 2004 zudem die Größen 1:18, 1:32 sowie 1:64 mit ins Sortiment genommen. Im Jahr 2012 blickte die traditionsreiche Firma auf eine hundertjährige Unternehmensgeschichte zurück, während der sich ihre Waren bereits millionenfach unter Sammlern auf der ganzen Welt verkauft haben. Der Erfolg machte den Nürnberger Hersteller zu einem der führenden Modellautoproduzenten.

Berühmter “Silberpfeil” von Shuco

Angefangen hat alles mit einem Schraubschlüssel – technische Fortschritte

Bevor das Modell über den Wohnzimmerteppich rollen konnte, war erst einmal handwerkliches Können gefragt, weil der Kunde sein Modellauto aus Blech selber zusammenbauen musste. Dann stand dem Vergnügen nichts mehr im Weg. In der Verpackung waren alle Kleinteile enthalten, die am Ende das vollständige Auto ergaben und notwendige Werkzeuge wurden in der Schachtel beigelegt. Mit dem Aufkommen von Plastik verschwand diese Methode, weil die Kundschaft fertige Modellautos direkt im Spielzeughandel erwerben konnte. Neu aufgelegte Blechmodelle werden entweder in vollständiger Form oder als Bausatz verkauft.

Varianten und Formate der Automodelle

Für eine ausgewogene Abwechslung setzt sich das Angebot aus klassischen und zeitgenössischen Stücken zusammen. Die Modellautos werden in verschiedenen Maßstäben von 1:12 bis zu 1:600 im Handel angeboten, wobei das Verhältnis 1:87 die klassische Modellbahngröße darstellt. Den kleineren Maßstab 1:90 führt Schuco unter dem Namen ‘Piccolo’. Alle Modelle werden fast ausschließlich in Handarbeit gefertigt und durchlaufen engmaschige Qualitätskontrollen, bevor sie in den Verkauf gelangen. Auch die aktuellen Stücke orientieren sich an Automodellen aus vergangenen Jahrzehnten, zu denen der VW Käfer, der BMW ‘Isetta’ sowie verschiedene Ausführungen des Porsche gehören. Blechmodellautos zählen nach wie vor zum Repertoire und sind unter der Rubrik ‘Schuco Classic Collection’ zu finden. Diese bewusst eingeführte Renaissance soll gerade die älteren Kunden an ihre eigenen Kindertage erinnern und sie zum Kauf animieren. Das Unternehmen erzielt somit höhere Gewinne, denn die Kinder von damals sind die zahlungskräftigen Sammler von heute.  

Nostalgie auf vier Rädern

Ursprünglich war Schuco ein reiner Spielzeughersteller, wohingegen sich die Marke inzwischen unter Sammlern längst einen Namen gemacht. Das Klientel hat sich verändert, Kinder greifen nur noch selten zu Modellautos. Heute sprechen die Modelle vorwiegend eine finanziell abgesicherte Zielgruppe mittleren Alters an. Raritäten aus vergangenen Dekaden können im Originalzustand mehrere hundert Euro kosten und werden auf Sammlermessen oder Auktionen gehandelt. Um auf dem Markt möglichst viel Gewinn einzubringen, muss das Automodell unbespielt sein und sich noch in seiner ungeöffneten Verpackung befinden. Eine bereits offene Packung, beschädigtes Material sowie eigenständig vorgenommene Veränderungen am Modell mindern den Wert auf dem Sammlermarkt. Experten sind sich darüber im Klaren, deswegen bewahren einige von ihnen die Modellwagen über Jahrzehnte hinweg im heimischen Schrank auf, um sie später zu einem möglichst lukrativen Preis an Interessenten zu verkaufen.

Sowohl kleine als auch größere Maßstäbe finden auf dem Sammlermarkt Abnehmer, wobei das Modell ein historisches oder aktuelles Originalfahrzeug als Vorbild haben kann. Der Wert wird davon nicht beeinflusst, dennoch sind Modellautos aus früheren Epochen meistens stärker nachgefragt als moderne Gegenstücke. Vor dem Kauf berücksichtigt ein professioneller Sammler seine individuellen Vorlieben, nach diesen Kriterien erfolgt die Suche nach einem neuen Modell. Motivationen für den Erwerb sind der reine dekorative Zweck, Zuwachs zur persönlichen Sammlung oder das Ziel eines Weiterverkaufs zu einem noch höheren Umsatz.

Schuco Studio Edition

Die Begriffe ‘historisch’ und ‘original’ müssen voneinander differenziert werden. In den Achtzigerjahren brachte Schuco seine Oldtimerserie als Neuauflage heraus, die Sammler von nostalgischen Wagen angesprochen sollte. Rennwagen aus den 1930er-Jahren sind in der Zielgruppe ebenfalls begehrte Ware, dennoch sind solche Modelle trotz ihrer sehr ähnlichen Gestaltung keine Originale. Es lassen sich farbliche Unterschiede feststellen und der Preis ist demzufolge niedriger. Nachbildungen eignen sich für Einsteiger in der Sammlerszene oder für Sammler mit einem geringerem Budget. Als historisch gelten hingegen Modelle ab einem Alter von mindestens 30 Jahren. Falls sich doch mal die Zeichen der Zeit bemerkbar machen sollten, können Ersatzteile in der ‘Schuco-Klinik’ bestellt werden und das Sammlerstück sieht nach einer kurzen Reparatur wieder aus wie neu.

Schucos Relevanz auf dem Modellautomarkt

Sowohl die verlässliche Qualität als auch die detaillierte Bearbeitung tragen zur anhaltenden Beliebtheit von Schuco-Modellen bei, unter Kennern gilt die Marke als besonders hochwertig. Seit jüngerer Zeit werden die Produktionsstätten wieder zurück nach Deutschland verlegt, überdies ist Schuco eine der am längsten bestehenden Firmen, die auf Modellautos spezialisiert sind. Ihr strenger Anspruch an sich selbst trägt einen wichtigen Teil dazu bei, deswegen steht der Name ‘Schuco’ für Sicherheit und Vertrauen. Aus diesem Grund lässt sich die Erfolgsgeschichte von Schuco mit den Worten ‘Klassisches auf dem neuesten Stand’ vermutlich am treffendsten in einem Satz zusammenfassen.

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