Dreiste Masche von falschen Pelz-Händlern in Wiesbaden und Umgebung

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten Wochen wurden wir immer wieder mit einem Thema konfrontiert, worüber wir Ihnen nun etwas ausführlicher berichten möchten:

Es geht um Pelze, und den Wiederverkauf in der heutigen Zeit.

Geschichte

Schon weit vor dem Mittelalter gehörten Pelze als Kleidungsstücke und Accessoires zu einem gehobenen Äußeren. Bis ins 17. Jhd. waren einige Pelzarten den Adelsständen vorbehalten, bevor sie zu Prestigeobjekten der Oberklasse wurden. Pelze galten noch bis in die 1970er Jahre als Symbol für Luxus und Reichtum. In den 1980ern begann ein zunehmender Widerstand gegen Pelze. Die zur Herstellung notwendige und oft grausame Tötung von Tieren wurde als gesellschaftlich verachtenswert angesehen, und unzählige Anti-Pelz-Kampagnen schafften es den Pelz vom Luxusgegenstand zum geächteten Kleidungsstück herabzusetzen. Gleichzeitig wurden Gesetze erlassen, um den Handel mit Pelzen einzuschränken und vor allem vom Aussterben bedrohten Tierarten einen ausreichenden Schutz zu bieten. Heutzutage findet man natürlichen Pelz noch als Bestandteil von Kleidungsstücken wie Jacken oder Mützen, wobei der Ursprung dieser Pelze meist in Asien liegt.

Preisverfall

Bis in die 1980er Jahre lag der Preis für einen ordentlichen Nerz-Mantel im fünfstelligen Bereich. Danach fielen die Preise für Pelze in den Keller. Anfang der 1990er hätte derselbe Pelz mit Glück noch ein paar tausend Mark gebracht, mit der Einführung des Euros sind die Preise bereits auf wenige Hunderte Euro gefallen. Dieser rasante Preisverfall ist auf die erfolgreichen Anti-Pelz-Kampagnen zurückzuführen, die bis in die heutige Zeit noch versuchen, auf die grausame Tötung von Tieren zur Pelzherstellung aufmerksam zu machen. Der Markt für Pelze hat sich seitdem nicht erholt. Ein hochwertiger Pelz erzielt heutzutage kaum noch einen vernünftigen dreistelligen Preis, wenn man denn einen Abnehmer findet.

Die Masche

Eine seit Jahren weit verbreitete Betrugsmasche nutzt den Preisverfall von Pelzen für sich. Die Betrüger agieren in ganz Deutschland, sind aber in den letzten Monaten vermehrt im Rhein-Main-Gebiet und speziell auch in Wiesbaden (ebenso Mainz, Frankfurt, Darmstadt und Bad Kreuznach) unterwegs.

Verdächtige Anzeige im lokalen Kleinanzeigenmarkt

Wie gehen die Betrüger vor?

Die Betrüger geben sich als vermeintlich seriöse Händler aus und treten mit Besitzern von Pelzen, die diese verkaufen möchten, in Kontakt. Sie nutzen dabei oft den Kleinanzeigenmarkt von lokalen Tageszeitungen. Nach dem ersten Kontakt wird ein Besichtigungstermin im Haus des Kunden vereinbart. Der Händler begutachtet den Pelz und bietet einen sehr hohen Preis, der oftmals im vierstelligen Bereich liegt.

Anstatt dem Kunden den Pelz direkt zum angebotenen Preis abzukaufen, wird eine Abholung und Bezahlung in den nächsten Tagen versprochen. Stattdessen beginnt nun der Hauptteil der Betrugsmasche.

„Haben Sie auch Goldschmuck zu verkaufen?“

Der Händler fragt, ob weitere wertvolle Gegenstände zu verkaufen sind. Insbesondere der Verkauf von Schmuck würde sich aufgrund des aktuell hohen Goldpreises lohnen. Durch den scheinbar hohen Verkaufspreis des Pelzes vertraut der Kunde der Einschätzung des Händlers und hofft auf weitere gute Angebote.

Nach einer oberflächlichen Begutachtung gibt der Händler ein scheinbar hohes Angebot für den Schmuck ab. In Wahrheit liegt der angebotene Preis allerdings weit unter dem wahren Wert der Gegenstände, selbst der Materialwert wird deutlich unterboten.

Spätestens hier sollte dem Kunden merkwürdig erscheinen, dass er ein Angebot erhält, welches ohne Grundlage einer ausführlichen Bewertung des Schmuckes erstellt wird. Jedoch haben die meisten Geschädigten in dieser Situation durch das vorhergegangene Angebot für den Pelz ein so positives Gefühl dem Händler gegenüber, dass sie dem Angebot für den Schmuck zustimmen. Und hierfür hat der Händler das Geld natürlich bar dabei, den Schmuck könne er direkt bezahlen und mitnehmen.

Der Betrüger ist nicht mehr zu erreichen

Erfolgt der Verkauf des Schmuckes, hat die Masche des Händlers perfekt funktioniert. Er nimmt den Schmuck, den er deutlich unter Wert erworben hat, mit und kündigt einen Anruf in den nächsten Tagen an, um eine Abholung des Pelzes zu vereinbaren.

Dass dieser Anruf nie erfolgt, wird den Geschädigten leider erst nach ein paar Tagen bewusst. Beim Versuch, den Händler anzurufen, findet man eine unbekannte Nummer oder ein nicht eingeschaltetes Mobiltelefon vor. Der Betrüger hat sein Ziel erreicht. Er war nie tatsächlich an dem Pelz interessiert, sondern hat diesen lediglich benutzt um an guten Schmuck zu einem viel zu niedrigen Preis zu kommen. Die Geschädigten bleiben auf ihren Pelzen sitzen.

Was mache ich mit meinem Pelz?

Vor dieser Frage stehen viele Besitzer, da Pelze aus der Mode gekommen sind und scheinbar kein fairer Markt für einen Weiterverkauf existiert.

Zuerst sollte man sich im Klaren sein, ob man den Pelz tatsächlich loswerden möchte, oder ob man bereit ist ihn in unter anderen Umständen weiterhin zu tragen. Dann bietet sich ein Änderungsservice für Pelze an. Einige Änderungsateliers haben sich darauf spezialisiert, alte Pelzkleidung aufzufrischen, umzufärben und sogar umzunähen. So können aus ihrer alten Kleidung neue Lieblingsstücke entstehen.

Hat man sich allerdings von dem Gedanken distanziert, Pelz zu tragen, so macht ein Weiterverkauf am meisten Sinn, wenn ihn sonst niemand aus dem Familien- oder Bekanntenkreis möchte. Ein Weiterverkauf ist in den meisten Fällen aber nur möglich, wenn sich der Pelz in einem einwandfreien Zustand befindet. Dann ist es möglich, einen dreistelligen Betrag zu erhalten – dies hängt neben der Qualität aber auch stark von der verwendeten Pelzsorte ab. Mit einem niedrigen Verkaufswert muss man sich in jedem Fall anfreunden, dennoch sind ein paar Euro mehr im Portemonnaie und mehr Platz zu Hause häufig ein gutes Argument für einen Verkauf.