Die Meinungen über die fünfzig prunkvollen Fabergé-Eier, die der Hofjuwelier der russischen Zarenfamilie zwischen 1885 und 1917 für die kaiserliche Familie anfertigte, und die für andere Privatpersonen gefertigten Eier gehen weit auseinander – für die einen sind sie edle Sammlerobjekte und höchste Goldschmiedekunst, während sie für die Anderen Inbegriff von Dekadenz oder gar Kitsch sind. Hier erfahren Sie alles, was Sie über die prachtvollen Kunstwerke aus der Schmiede von Peter Carl Fabergé (1846-1920) wissen müssen.

Ursprung und Geschichte der Fabergé-Eier

Seit dem 17. Jahrhundert ist es Brauch in Russland an Ostern, dem bedeutendsten Fest der russisch-orthodoxen Kirche, verzierte Eier und drei Küsse zu verschenken. Während das einfache Volk gemeinhin echte Hühnereier kunstvoll bemalte, schenkte man sich in wohlhabenderen Kreisen symbolisch künstliche Eier aus Holz und edleren Materialien wie Glas, Porzellan oder Metall. 1885 gab Zar Alexander III. das heute als Hennen-Ei bekannte Ei bei seinem Hofjuwelier Peter Carl Fabergé in Auftrag und verschenkte es an seine Gemahlin Maria Fjodorowna. Das Ei bestand aus einer weißen, emaillierten Schale, die sich öffnen ließ und einen Dotter aus Gelbgold preisgab, in dem sich eine goldene, emaillierte Henne verbarg, die ihrerseits eine Nachbildung der Zarenkrone mit einem eiförmigen Rubinanhänger enthielt. Diese Krone mit Anhänger ist über die Jahre verloren gegangen. Der Rest des Hennen-Eis befindet sich heute im Besitz des privaten Sammlers Wiktor Felixowitsch Wekselberg.

Die Zarin war so begeistert von dem kleinen Kunstwerk, dass sich eine Tradition etablierte: Bis zu seinem Tode 1894 schenkte Alexander III. seiner Frau jedes Jahr ein Ei aus dem Hause Fabergé. Sein Sohn, Nikolaus II., führte die Tradition fort und schenkte sowohl seiner Mutter als auch seiner Ehefrau in allen Jahren außer 1904 und 1905 (da herrschte der Russisch-Japanische Krieg) je ein neues Fabergé-Ei. Dies fügte den 10 Eiern, die sein Vater in Auftrag gegeben hatte, weitere 40 hinzu, was eine Gesamtzahl von 50 kaiserlichen Eiern ausmacht.

Über die Jahre stiegen Aufwand und Kosten der Fertigung der Fabergé-Eier. Hatte das Hennen-Ei von 1885 noch 4115 Rubel – damals auch schon ein kleines Vermögen – gekostet, zahlte der Zar 1913 für das Winter-Ei stolze 24600 Rubel. 2002 wurde das Winter-Ei bei einer Auktion für 9,6 Millionen US-Dollar versteigert. Eines der nicht-kaiserlichen Eier, die für andere wohlhabende Personen – in diesem Fall für die Rothschildfamilie – gefertigt wurden, erzielte 2007 sogar 12,5 Millionen US-Dollar. Der hohe Wert der Eier hat dabei verschiedene Gründe. Zum einen sind sie aus sehr edlen Materialien von einem der besten Goldschmiede der Geschichte gefertigt worden und waren deshalb schon zum Zeitpunkt ihrer Fertigung äußerst wertvoll. Hinzu kommen Alter und Seltenheit der Stücke, denn jedes ist ein Unikat und speziell für den russischen Zaren angefertigt worden.

Mit der Romanow-Dynastie endete auch die Fertigung der Fabergé-Eier. Das letzte gefertigte Ei, das St.-Georgs-Orden-Ei von 1916, nahm Maria Fjodorowna auf ihre Flucht nach Dänemark mit. Die übrigen, in Russland verbliebenen Eier wurden im Zuge der Oktoberrevolution 1917 von Lenin beschlagnahmt, der die Eier an westliche Kunsthändler verkaufte. Der US-amerikanische Großindustrielle Armand Hammer erstand ganze 13 Eier. Der Verleger Malcolm Forbes trug sogar 15 Eier, davon jedoch nur neun kaiserliche und die übrigen sechs nicht-kaiserliche, zusammen.

Der Verbleib der Fabergé-Eier

Heute befinden sich die 48 Eier (hierzu zählen nicht nur welche der 50 kaiserlichen Eier), über deren Verbleib Klarheit herrscht, in verschiedenen Sammlungen überall auf der Welt. Allein zehn von ihnen gehören zur Sammlung von Wiktor Wekselberg. Zu diesen zehn gehören neben dem Hennen-Ei unter anderem das St.-Georgs-Orden-Ei, das Ei zum 15. Thronjubiläum, das Rosenknospen-Ei, das Renaissance-Ei, das Maiglöckchen-Ei, das Krönungs-Ei sowie das Kuckucks-Ei.

Das Maiglöckchen-Ei wurde auf der Weltausstellung Paris 1900 präsentiert

Neun Eier befinden sich wieder daheim – acht werden in der Rüstkammer des Moskauer Kremls verwahrt und eines, das Rothschild-Ei, ist in der Eremitage von Sankt Petersburg ausgestellt. Fünf Eier kann man im Virginia Museum of Fine Arts bewundern. Drei Fabergé-Eier gehören Queen Elizabeth II. und sind Teil der Royal Collection – darunter das Kolonnaden-Ei und das Mosaik-Ei. Zwei Fabergé-Eier kann man sogar hier in Deutschland bewundern, und zwar im Fabergé Museum Baden-Baden. Die übrigen Eier mit bekanntem Verbleib befinden sich überall auf der Welt in Museen und privaten Sammlungen.

Verschollene Eier

Aufgrund der Wirren um die Oktoberrevolution gelten einige Fabergé-Eier jedoch als verschollen. Zu den Eiern mit unklarem Verbleib zählt etwa das Ei mit Henne im Korb, welches das zweite Ei war, das Zar Alexander III. für seine Gemahlin von Fabergé fertigen ließ. Laut den kaiserlichen Archiven soll das Ei eine goldene Henne mit rosafarbenen Diamanten beinhalten, die mit dem Schnabel ein Ei aus Saphir aus einem Nest entnimmt.

Ebenfalls als verschollen gilt das Wagen-Ei mit Engel von 1888. Genaues ist über dieses Ei nichts bekannt, auf Grundlage eines alten, vergrößerten Fotos wird jedoch davon ausgegangen, dass das Ei mit zwei Rädern versehen war und von einem Engel gezogen wurde. Im Ei selbst verbarg sich wohl ein weiterer Engel.

Ein weiteres Ei mit unklarem Verbleib ist das Nécessaire-Ei von 1889. Von diesem existiert jedoch ein Farbfoto, das ein goldenes Ei, das reich mit Diamanten, Rubinen, Saphiren und Smaragden besetzt war und sich öffnen ließ, zeigt. Im Inneren des Eis verbargen sich Utensilien zur Körperpflege wie Nagelschere und -feile. Ein Farbfoto existiert, weil dieses Ei erst seit 1952, als es vom königlich britischen Hofjuwelier Wartski an einen Fremden verkauft wurde, verschwunden ist.

Das Nécessaire-Ei ist seit 1952 verschollen

Auch das Lila-Ei von 1897 zählt zu den verschollenen Fabergé-Eiern. Dieses Ei, das seinerseits in einem roten Herz mit Monogram auf einem säulenartigen Sockel lag, gab ein Bild der Zarenfamilie umrahmt von in Form eines dreiblättrigen Kleeblatt angeordneten Diamanten preis, wenn man es öffnete.

Ein weiteres Fabergé-Ei, von dem heute jede Spur fehlt, ist das Nephrit-Ei, das – wie der Name schon verrät – aus Nephrit, einem Mischkristall aus Tremolit und Aktinolith, gefertigt worden war. Im Innern soll sich ein Medaillon mit dem Porträt Zar Alexanders III. befunden haben.

Auch der Verbleib des Königlich Dänischen Eis, das wie die vorgenannten auch zu den kaiserlichen Eiern zählt, ist unbekannt. Dieses Ei ließ Zar Nikolaus II. für seine Mutter zum 40-jährigen Thronjubiläum deren Vaters anfertigen. Das Ei besteht aus hellblauer und weißer Emaille und ist mit Gold und Edelsteinen verziert. Ferner ziert das Wappen der dänischen Königsfamilie die Oberseite des Eis, das beim Öffnen Porträts der dänischen Königsfamilie preisgibt.

Ebenfalls als verschollen gilt das Alexander III. Gedenk-Ei, das 1909 gefertigt wurde und in der bevorzugten Uniformfarbe des verstorbenen Zaren gehalten war, nämlich Dunkelblau. Es waren Monogramme Alexanders III. und seiner Gemahlin sowie das Zarenwappen eingraviert. Die Spitze zierte ein von kleineren Diamanten umrahmter großer Diamant.

Werden heute noch verschollene Eier wiedergefunden?

Dass die aufmerksame Suche nach den noch als verschollen verbliebenen Eiern durchaus sinnvoll ist, zeigt ein recht absurder Fund eines der verschollen geglaubten Eier, des dritten, als Uhr geführten Eis von 1887. Dieses mit einem Rosendiamanten und einem Cabochonsaphir verzierte Fabergé-Ei enthielt eine Uhr der Uhrenmanufaktur Vacheron Constantin. Es galt seit 1922 als verschollen. Erst 2014 wurde es zufällig von einem Schrotthändler, der das Ei des Goldes wegen zuerst einschmelzen wollte, auf einem Antiquitätenmarkt entdeckt und für umgerechnet etwa 10000 € erstanden. Aufgrund eines Onlineartikels reifte in dem Schrotthändler jedoch der Verdacht, es könne sich bei seinem Fund um das verschollene Fabergé-Ei handeln. So zeigte er es der Fabergé-Expertin Kieran McCarthy, Autorin des Buches Fabergé in London: The British Branch of the Imperial Russian Goldsmith und Mitarbeiterin des Londoner Juwelierhauses Wartski. McCarthy konnte bestätigen, dass es sich bei dem Zufallsfund tatsächlich um das verschollene dritte Fabergé-Ei handelte. Nachforschungen ergaben sogar, dass das Ei 1964 bei Parke-Bernet schon einmal versteigert worden war, der tatsächliche Wert jedoch nicht erkannt worden war. Wartski verkaufte das Ei später an einen privaten Sammler. Dieser lässt es hin und wieder öffentlich ausstellen.

Das 3. kaiserliche Ei wurde 2014 zufällig entdeckt

Einige Fabergé-Eier im Fokus

Ei zum 300. Herrschaftsjubiläum der Romanow-Dynastie (1913)

Dieses Ei aus Gold zeigt die Bildnisse aller Romanow-Zaren von Michael I. bis Nikolaus II. auf transparenter, weißer Emaille umrahmt von Diamanten. Das Ei steht auf einem Sockel in Gestalt eines dreifachen Adlers. Das Ei war ein Geschenk Nikolaus II. an seine Gattin und wurde vom Werkmeister Henrik Wigström aus Silber, Gold, Stahl, Diamanten, Türkis, Purpurin, Glas und Elfenbein gefertigt. Heute befindet sich das Ei in der Rüstkammer des Kremls.

Auf diesem Fabergé-Ei sind alle 18 Romanow-Zaren als Miniaturen abgebildet

Ei mit Reiterstatue Alexanders III. (1910)

Das Besondere an diesem Ei ist, dass es durchsichtig ist und der Bergkristall, aus dem es gemeißelt wurde, den Blick auf eine aus Gold gearbeitete Replik einer Reiterstatue Alexanders III. preisgibt. Die Statue steht auf einem von Rosenbändern gesäumten Sockel aus Lapislazuli. Das Ei selbst ist von einem Filigran aus Platin überzogen und steht auf einem aus Platin gearbeiteten Sockel in Form von Cherubinen. An der Spitze des Eis befindet sich ein großer Tafeldiamant. Dieses Geschenk Nikolaus’ II. an seine Mutter kostete den Zaren seinerzeit 14700 Rubel und steht heute in der Rüstkammer des Kremls.

Fabergé-Ei aus Bergkristall mit goldener Statue von Alexander III.

Kuckucks-Ei (1900)

Das Kuckucks-Ei verbindet Tischuhr und Spieluhr miteinander, denn das Ei aus emailliertem Gold mit Edelsteinbesatz beinhaltet einen kleinen Kuckuck unter der Eispitze, der bei Druck auf den Deckel zum Vorschein kommt, kräht und mit den Flügeln schlägt. In die Vorderseite des Eis, das sich heute im Besitz von Wiktor Wekselberg befindet, ist eine Uhr eingearbeitet. Der Werkmeister, der das Kuckucks-Ei fertigte, war Michail Perchin.

Das Kuckucks-Ei von 1900

Krönungs-Ei (1897)

Das Krönungs-Ei gilt mit einem geschätzten Wert von 24 Millionen US-Dollar (Sotheby’s) als das wertvollste der 50 kaiserlichen Fabergé-Eier. Das Ei wurde der Zarin Alexandra Fjodorowna von ihrem Ehemann Nikolaus II. in Gedenken an ihre Krönung geschenkt. Äußerlich ist das Ei aus mehrfarbigem Gold mit Besatz aus Emaille und Diamanten dem Krönungsmantel der Zarin nachempfunden. Im Inneren, eingebettet in ein Samtfutter, befindet sich das Modell einer Kutsche aus Platin, Gold, erdbeerfarbene Emaille, Rubinen, Diamanten, und Bergkristallen, das der Kutsche nachempfunden wurde, in der Zar und Zarin nach ihrer Krönung gefahren wurden. Das von Michail Perchin, Henrik Wigström (Schale) und George Stein (Kutsche) geschaffene Ei befindet sich heute ebenfalls in der Sammlung von Wiktor Wekselberg.

In diesem Fabergé-Ei befindet sich eine goldene Kutsche

Was Sie über Fabergé selbst wissen sollten

Peter Carl Fabergé wurde am 30. Mai 1846 in Sankt Petersburg als Sohn des deutsch-baltischen Juweliers Gustave Fabergé und der Dänin Charlotte Fabergé geboren. 1860 zogen die Söhne Peter Carl und Agathon mit den Eltern nach Dresden, wo sie aufgewachsen sind und wo Peter Carl Fabergé in die Fußstapfen seines Vaters tretend zum Goldschmied ausgebildet wurde. 1870 kehrte die Familie nach Sankt Petersburg heim, wo Peter Carl zwei Jahre später die Leitung des Familienunternehmens übernahm. Zunächst arbeitete Fabergé als Juwelier und Goldschmied der Eremitage, ehe 1882 Zar Alexander III. selbst bei einer Ausstellung in Moskau auf die Arbeit Fabergés aufmerksam wurde und einige seiner Stücke erwarb. Fabergé stieg bald zum Hofjuwelier auf und fertigte neben den nach ihm benannten Eiern auch die Kronjuwelen Nikolaus’ II. sowie zahlreiche Repliken, die der Zar selbst nicht von seinen Originalen zu unterscheiden vermochte. Daneben fertigte Fabergé auch Schmuck für das gemeine Volk an – darunter sogar preiswerter Modeschmuck aus industrieller Fertigung. In seiner Blütezeit hatte der Juwelier Niederlassungen in Moskau, Kiew, Odessa und London und beschäftigte über 700 Mitarbeiter – davon alleine 500 im Sankt Petersburger Hauptsitz. Die Februarrevolution setzte dem Wirken Fabergés ein jähes Ende und im Zuge der Oktoberrevolution verkaufte er so seine Anteile an dem Unternehmen an seine Mitarbeiter und floh zunächst nach Finnland und später nach Wiesbaden. Peter Carl Fabergé starb am 24. September 1920 in Lausanne in der Schweiz.

Seine Söhne Alexander und Eugène gründeten das Goldschmiedeunternehmen ihres Vaters nach dessen Tod neu. Von 1989 bis 2009 führte die Juwelenmanufaktur Victor Mayer, deren Gründer der einzige von Fabergé autorisierte Werkmeister war, in Pforzheim die Tradition des Juweliers fort, ehe das Unternehmen 2001 nach Russland heimkehrte und ab 2009 wieder selbst für die Fertigung von Goldschmiedearbeiten mit den Techniken Fabergés verantwortlich war. Zu den neueren Stücken gehören auch wieder kunstvolle Ostereier wie das Gorbatschow-Friedens-Ei oder das Mondphasen-Ei.

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